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  • "Ich mach mal was falsch" - ein Experiment mit viel Wärme

    "Ich mach' mal was falsch!"

    Ein Experiment mit viel Wärme

    Claus Eckert




    Der Teufel steckt im Detail“ sagt ein altes Sprichwort. Doch wie kann man den Gehörnten herausfordern? Es ging wieder mal um das alte Thema: Form bauen! Da gerade ein „Eimer“ abgeformt werden sollte, wollte ich es mal wagen, die klassischen Empfehlungen zu ignorieren und den Belzebub herauszufordern. Um es vorweg zu nehmen: Er hat tatsächlich aufgegeben.

    Wichtigstes Hilfsmittel ist dabei eine Temperbox, in der mindestens 40° C herrschen sollten.

    Das Urmodell niemals mit 1 K-Lack versehen!

    Ja, das ist tatsächlich richtig. Nichts ist besser als ein Zweikomponentenlack, der gut ausgehärtet und ausgelüftet ist.

    Was macht aber der Eilige?

    Er greift zum 1 K-Lack aus der Sprühdose. Aber nicht irgendeinen 1 K-Lack, sondern in meinem Fall habe ich mich für Felgensilber entschieden. Ich würde das auch bei Leitwerksteilen verwenden. Allerdings bei größeren Teilen ist es schwierig, mit einer Sprühdose ein gutes Ergebnis zu bekommen. Da ist Zweikomponentenlack wirklich die bessere Wahl.

    Das Felgensilber hat die Eigenschaft, sehr schnell zu trocknen. Wird das lackierte Bauteil zusätzlich noch in die Temperbox verfrachtet, lüftet der Lack noch viel schneller ab.

    Verwende niemals Trennmittel unterschiedlicher Hersteller!

    Papperlapapp! Wer sich mit dem Teufel anlegt, der greift mutig in den Schrank und schaut nach, was so rum liegt. Da wäre das W700 von Bacuplast. Gleich daneben steht noch Folientrennmittel (PVA) von EMC-Vega. Ist nur noch ein Rest. Aber nach 10 Jahren muss ich sowieso mal wieder neues bestellen. Also raus aus dem Schrank.

    Inzwischen hat das Urmodell die passende Temperatur erreicht und gleich beginnt der erste Wachsvorgang. Das Lackieren ist gerade mal ein gutes Stündlein vorbei.

    Anschließend für ein paar Minuten in die Temperbox, danach polieren und die nächste Schicht drauf. Wieder polieren und wenn es überall schön glänzt, dann kommt das PVA mit dem Moltopren-Schwamm drauf. Das ist anfangs ein wenig nervig, aber geht dann doch gut vonstatten. Man muss nur vermeiden, dass das PVA am Schwamm schäumt.

    Und wieder ab damit in die Temperbox und die zweite Stunde ist noch nicht zu Ende. Das PVA muss aber wirklich ganz trocken sein bevor es weiter gehen kann. Da darf man nicht schlampen.



    Was jetzt kommt ist Standard

    Gewebe zuschneiden, Formenharz anrühren und los geht's. Das Formenharz wird mit einem Pinsel aufgetragen. Da es eilte, habe ich ein paar kleine Stellen übersehen. Da war der Pinselstrich nicht ganz sauber. Das habe ich leider erst in der fertigen Form gesehen. An diesen Stellen scheint das Licht durch. Weil aber dahinter normales Harz ist, war das kein echtes Problem.

    Und erneut ab in die Temperkammer, aber nicht zu lange. Nachdem das Formenharz etwas fester ist, habe ich es Baumwollflocken schneien lassen. Anschließend wurden noch die kritischen Stellen mit etwas Mumpe aus Baumwollflocken und Glasschnitzeln ausgefüllt. Als Gewebe konnte ich endlich mal die Reste der letzten Jahre verarbeitet. Trotz der teuflischen Aktion habe ich auf eine gewisse Symmetrie der Lagen geachtet. Naja, so ungefähr zumindest…

    nzwischen ist tatsächlich schon Stunde vier vorbei. Jetzt ist Ruhe und der Eimer kommt in die Temperbox. Durch das Rotlicht sieht die innen aus wie die Hölle, was ja auch passt.



    Eine Form muss ein paar Tage ruhen und dann täglich einmal gewachst werden

    Ja, richtig! Aber nicht bei mir. Nach nur 12 Stunden raus aus der Temperbox und das Urmodell wird entfernt. Durch das PVA geht das relativ schnell. Und schon der erste Blick in die Tiefe enthüllt: Etwas mehr Sorgfalt beim Auftragen des Formenharzes wäre nicht schlecht gewesen. Siehe oben! Da aber die fertige Haube sowieso lackiert werden muss, spielt das zunächst keine so große Rolle.

    Die Form ist noch warm und schon geht es los mit dem ersten Wachsauftrag. Genau wie beim Urmodell, wachsen und polieren. Dieses Mal werden es aber vier Schichten Wachs. Danach wieder PVA mit dem Schwamm in die Form und trocknen lassen.

    Jetzt geht es darum, erst mal eine Testhaube zu laminieren. Die ist nur für die Konstruktion des Motorträgers wichtig. Die richtige Haube wird dann mit UP-Vorgelat und CfK laminiert.

    Als erste Schicht auf das inzwischen getrocknete PVA wird eine thixotrope Mischung eingestrichen. In die Harz-HärterMischung entsprechend Thixo-Mittel rein bis sie streichfähig ist. Dann für ca. 10 Minuten rein in die Temperbox. Danach mit Mumpe aus Baumwollflocken und Glasschnitzel die kritischen Stelle ausfüllen. Und schon geht es weiter mit den ersten Gewebelagen. Das waren erst mal 50 g/m² Glas und danach höhere Gewichte. Da ich aus mir unbekannten Gründen hauptsächlich Gewebe in Leinen-Webart herumliegen habe, musste ich viel mit dreieckigen Zuschnitten arbeiten, um die Form gut auszufüllen. Das hat den Vorteil, Überlappungen zu haben, aber den Nachteil, unnötiges Gewicht zu verursachen, was aber bei der Testhaube egal ist.

    Das Laminieren dauerte dadurch etwas länger, aber etwa vier Stunden nach dem Entfernen des Urmodells ist das trotzdem kein schlechter Schnitt.



    Kann sich das Ergebnis sehen lassen?

    Naja, es braucht sich jedenfalls nicht zu verstecken. Nach rund 12 Stunden habe ich die Haube aus der Form entfernt, was sich aber als etwas knifflig erwiesen hat. Nein, nicht weil ich zu schnell war, sondern weil die Idee mit dem Nippel für die Druckluft nicht so funktionierte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Der Bereich ist zu fest. Deshalb habe ich mit einem Durchschlag durch den Luftanschluss erst diese Stelle mit gefühlvollen Hammerschlägen etwas gelöst. Anschließend mit Druckluft beaufschlagt und von der Seite mit langen Holzspateln die Haube aus ihrer Form befreit. Die Haubenform hätte ich eigentlich auch zweiteilig bauen können, aber siehe >> Zeit.

    Mein Fazit dieses Experimentes:

    • 1 K-Lack geht, wenn man Felgensilber verwendet.
    • Das Wachs darf die Farbe auf keinen Fall anlösen.
    • PVA sichert zusätzlich vor teuflischen Überraschungen.
    • Trennmittel müssen nicht unbedingt von einem Hersteller sein.
    • Mit einer guten Temperbox und deren richtiger Verwendung spart man enorm viel Zeit. Auch bei Arbeitsgängen wie wachsen oder PVA auftragen.


    Am zweiten Tag, nachdem das Urmodell lackiert war, bereits das erste Ergebnis positiv, im doppelten Sinne, vor sich liegen zu haben, ist nicht unbedingt schlecht.




    Und hier die zweite Haube. Die ist fast von alleine aus der Form gefallen, denn auch da habe ich zwei Mal gewachst und PVA verwendet. Danach UP-Vorgelat innen mit dem Pinsel eingestrichen. Bei 40° C in die Temperbox bis das Vorgelat nur noch leicht klebt. Dann sofort laminiert. In dem Fall mit 100 g/m² Glas, 160 g/m² CfK und noch mal 100 g/m² Glas. Für den Eimer sind 190 g in Ordnung. Das letzte Bild zeigt bereits die Haube mit den Ausschnitten. Jetzt noch Farbe drüber, das Loch für die Motorachse fräsen und das war es.



    Auch wenn der Teufel oft im Detail steckt, manchmal muss man auch mal mutig sein. Das Seiten- und Höhenruder eines großen Seglers wartet bereits auf seine Abformung...

    Wie man eine zweiteilige Form baut, habe ich bereits 2003 veröffentlicht:
    Motorhaube - die Form
    Motorhaube - das Ergebnis
    Kommentare 3 Kommentare
    1. Avatar von Peter2
      Peter2 -
      Hallo Klaus
      Vielen Dank für Deinen tollen und bebilderten Bericht !
      Es ist gut zu wissen, dass man den gesamten Entstehungsprozess mit Wärme so stark und vor allem erfolgreich beschleunigen kann.
      Ich habe bislang nur die konventionelle Methoden mit den "langen" Wartezeiten angewendet, was mich nicht wirklich störte, da ich genügend andere Baustellen habe.
      LG
      Peter
    1. Avatar von Paride
      Paride -
      Vielen Dank für den interessanten Bericht. Irgendwie mitten aus dem Leben eines Modellbauers / -fliegers. Wurde ja nirgends verhehlt, daß es anders wohl noch besser sein könnte, aber so geht's eben auch, für die beschriebenen Fälle gut genug.
    1. Avatar von depronator.
      depronator. -
      Hallo Klaus.
      Quick and dirty, gefällt mir.
      Ich habe mit 1-K Lacken die Erfahrung gemacht, dass auch andere als Felgensilber gehen. Mann muss nur sehr dünne Schichten aufsprühen und wirklich lange abluften lassen zwischen denen. Dann klappt es sogar mit Gelb. Zieht sich aber richtig in die Länge, also nix mit schnell Mal eine Entformung.

      Gruß
      juri