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Niklas Fischer

Streckenflug am 22.04.2016 -> Wieder nichts...

Bewertung: 5 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,20.
Ja ja, das legen der Strecke war schon immer etwas, wo ich sehr talentfrei bin. Die Vorhersage vom DWD war sinngemäß: "Flugzeug polieren und Grillen" - Topmeteo sagte, es würden in der Standard-Klasse 500km möglich sein.
Der Plan war eigentlich ein 573,1km FAI Dreieck zu fliegen:

Name:  Aufgabe.jpg
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Etwas ärgerlich waren die sehr geringen Temperaturen, was leider das mitnehmen von Wasserballast ausgeschlossen hat.
Mit etwas Aufwand habe ich dann einen Schlepppiloten und Flächenhalter auftreiben können. Aus Uelzen hat sich noch ein Kamerad eingeklinkt, der mit der Uelzener DG300 die gleiche Strecke fliegen wollte.
Der Vorteil daran ist, dass man bei Blauthermik im Teamflug sehr viel leichter Steigen findet, wenn man sich seitlich aufteilt/nebeneinander fliegt. Hier mal ein Foto, das sehr gut die Wettersituation zeigt:

Name:  Vorfliegen_mit_D-4457.jpg
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Der erste Schenkel lief im Grunde so wie erwartet, nur dass wir noch etwas langsamer unterwegs waren, als wir es vermutet hatten. Die Bärte waren sehr eng und total zerrissen. An der ersten Wende hätte ich das erste mal die Z9 fast in den Acker gesteckt, konnte mich aber wieder ausbuddeln. Zum Glück war die ED-R 74 nicht aktiv, so dass ich den rettenden Fetzen direkt anfliegen konnte.

Danach wurde es leider noch anspruchsvoller und nach dem Überqueren der Elbe hätte ich mich dann das zweite mal fast gesteckt. Ein übelst zerrissener (und stinkender) Bart über Jerichow brachte aber - wenn auch unter harten Bedingungen, denn da muss dem Gestank nach zu urteilen, eine Biogasanlage explodiert sein - die rettende Höhe um endlich in Richtung Wolkenthermik loszufliegen.
Die D-4457 hatte weniger Glück und ist kurz hinter Jerichow aussengelandet. Damit war mein Wingman also aus dem Rennen - was später, als es wieder blau wurde, noch harte Nachteile bringen sollte. Da wir uns einen Rückholer geteilt haben, kam auch direkt über Funk: "Sieh zu, dass du oben bleibst, google Maps sagt, man fährt 3,5 Stunden bis nach Uelzen... OHNE Anhänger."

Für einen Moment hatte ich überlegt den Flug abzubrechen um genug Zeit zu haben "sicher" nach Uelzen zu kommen. Dann jedoch dachte ich mir, dass es noch vor 14 Uhr ist und ich mir die lang herbeigesehnte Wolkenthermik auf keinen Fall entgehen lasse. Ausserdem wäre die Aufgabe eigentlich noch zu schaffen, wenn ich nur endlich schneller werden würde.

Kurz vor Neuruppin kam die Wolkenthermik, die Basis ging von 1000 Metern auf erst 1400 und dann sogar 1800 Meter hoch.
Der armen D-4457 schickte ich dann dieses Foto:

Name:  Neuruppin.jpg
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Was für eine tolle Optik! Leider musste ich feststellen, dass selbst unter diesen tollen Wolken das Steigen zwar kräftig aber auch total zerrissen war. Bei den Steigwerten, war es mir aber erstmal egal, wie oft ich nachzentrieren musste und durchgeschüttelt wurde.

Was mir nicht gelungen ist, ist leider "schnell sein". Ich habe es irgendwie hinbekommen das kurze aber gute Wetter nicht effizient zu nutzen. An der nächsten Wende war klar: Jetzt kommt der längste Schenkel, voll gegen den Wind - und ich war vorher schon zu langsam. Zu allem Überfluss wurde es natürlich auch wieder blau.
Die Überlegung war: Wenn ich es schaffe zu Thermikende an der letzten Wende 1700 Meter zu haben, kann ich nach Uelzen gleiten.

Südlich von Schwerin Parchim war dann aber klar: Die Aufgabe ist nicht mehr zu schaffen. Somit änderte ich meinen Kurs auf Uelzen. Getreu dem Motto: "Jeder Kilometer den man dichter nach Hause kommt, sind 2km weniger für die Rückholer."
Selbiger war allerings noch nicht mal die Hälfte der Strecke auf dem Weg zur D-4457 gefahren...

Das Wetter wollte aber wohl früh ins Wochenende und hat einfach mal vorzeitig Feierabend gemacht. Wenn es auf Kurs so aussieht:

Name:  AufKurs.jpg
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... dann ist nur unschwer zu erkennen, dass der Plan nach Uelzen zu kommen, auch für die Tonne ist.

Der Rechner meinte jedoch, dass ich Lüchow erreichen kann und in 300 Metern dort ankommen würde. Also auf nach Lüchow!
Im Endanflug auf Lüchow hatte ich dann entspannte 17 Minuten lang die Gelegenheit über Fehler und richtige Entscheidungen nachzudenken. Noch schnell ein Bild geschossen und etwas die Ruhe genossen:

Name:  Endanflug.jpg
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Moderne Technik FTW, ich kam in 315 Metern in Lüchow an - und krabbelte nach 6:45 Stunden aus meiner geliebten Z9.
Die Schmerzen im Rücken (falscher Fallschirm) gerieten sofort in Vergessenheit, als mir einfiel, dass ich ja in der Baracke noch einen Kasten Weizenbier hatte
Erfreulicher Weise konnte ich mittels Whatsapp sogar noch andere Rückholer auftreiben (Danke an Jannis und Paul für den spontanen Einsatz!) und konnte mich der Entspannung hingeben:

Name:  IMG_1016.JPG
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So läßt es sich warten
Die Lüchower Jugend läutete auch gerade das Wochenende ein und so waren wir auf einmal 12 Leute am Platz, um die lange Weile zu vertreiben.

Punktemäßig war es natürlich ein Satz mit X. Man kann es halten wie man will, entweder zu groß aufgeschrieben - oder aber zu langsam gewesen
Jetzt heisst es auf gutes Wetter lauern und versuchen den nächsten Tag besser zu nutzen.

Hier der Link zum Flug: https://skylines.aero/flights/60190/

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Aktualisiert: 25.04.2016 um 16:52 von Niklas Fischer

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Kategorien
Modellflug , Segelflug

Kommentare

  1. Avatar von Henry Kirsch
    Klasse Bericht !!!
    Wieso wusste ich nichts von dem Weizen ?
    Dann wäre ich der Rückholer gewesen
  2. Avatar von Niklas Fischer
    Zitat Zitat von Henry Kirsch
    Klasse Bericht !!!
    Wieso wusste ich nichts von dem Weizen ?
    Dann wäre ich der Rückholer gewesen
    Gut gut, dann kommst du jetzt in die Kurzwahl. Müsstest halt erst den Anhänger abgreifen, dann zum Acker - aber hey, was macht man nicht alles für ein Weizen?