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Rezension: Ludwig Retzbachs Elektroflug Magazin

Bewertung: 4 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,00.
Vor ein paar Tagen landete eine neue Publikation aus dem Hause Wellhausen & Marquardt auf meinen Schreibtisch, die sich optisch bemerkenswert von anderen bekannten Heften aus dem Verlag unterscheidet: "Ludwig Retzbachs Elektroflug Magazin".

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Hits: 12562
Größe:  25,0 KB

Nun kennt man den Ludwig Retzbach als jemanden, der von Beginn an bei der elektrisch betriebenen Modellfliegerei aktiv ist und etliche Bücher dazu geschrieben hat. Jetzt ein "eigenes" Magazin? Das macht natürlich neugierig.

116 Seiten Hochglanz in sachlicher Optik im Format A4, bei denen man die Inhalte nicht suchen muß, denn was den Anteil an Werbung betrifft, sind wir von unseren "Special Interest"- Magazinen ja einiges gewohnt. Hier ist die Werbung wirklich nicht aufdringlich; tatsächlich sind nur 15 Seiten ganzseitige Werbung, das erinnert schon mehr an ein Buch als an ein Magazin. Der Preis allerdings auch: 14,80 € sind für ein Periodical nicht gerade niedrig angesetzt, auch, wenn es nur halbjährlich erscheint.

Tatsächlich offenbart ein Blick in das neue Elektroflug-Magazin, dass Ludwig Retzbach hier nicht nur Namensgeber ist. Er er ist auch Herausgeber und hat mehr als die Hälfte der Artikel zum Inhalt beigesteuert. Die übrigen Autoren kennt man aus den Redaktionen der Wellhausen & Marquardt- Zeitschriften.

Beim ersten Durchblättern keimt natürlich der Verdacht auf, dass hier eine thematische Resteverwertung von überzähligen Artikeln zum Thema Elektroflug vorliegt, aber - um es gleich vorwegzunehmen - das bestätigt sich beim näheren Hinschauen nicht.
Natürlich wurde das Rad hier nicht neu erfunden, und so besteht auch "Ludwig Retzbachs Elektroflug Magazin" hauptsächlich aus Berichten über Modellflugzeuge, Ladegeräte und Elektroantriebe.

Dabei hebt sich das Magazin aber in einem ganz wesentlichen Punkt von ähnlichen Publikationen ab: in wirklich jedem Artikel wird auf Grundlagen oder grundlegende Konzepte eingegangen. Das ist etwas, was (wie ich finde) im üblichen "ich baue - ich fliege - ich meine" anderer Magazine zu kurz kommt.
Es ist deutlich, dass man hier nicht einfach nur Eindrücke vermitteln will, sondern Wissen über Zusammenhänge und Hintergründe.
Besonders deutlich wird das in einigen guten Grundlagenartikeln z.B. zu den Themen Impeller und Einziehfahrwerke. Aber auch bei den Produktberichten stehen nicht die Adjektive im Vordergrund ("gut - besser - fantastisch"), sondern sie dienen eher als Beispiele zur Erläuterung der Vor- und Nachteile von Konzepten.
Abgerundet wird das Magazin mit zwei Beiträgen, die sich fachlich etwas vom Elektromodellflug abheben: über die manntragende "Elektra one" und zum Thema seltene Erden.

Tatsächlich besteht der Elektroflug nicht allein aus Akku-, Lade-, Regler- und Motorentechnik. Wer wie Ludwig Retzbach die Anfänge der Elektrofliegerei mit ihren schwachen und "blei"-schweren NiCd-Akkus begleitet hat, die erste Blütezeit mit den Hochleistungszellen in den 1990er Jahren und den endgültigen Durchbruch mit Brushless-Motoren und Lithium-Akkutechnologie im letzten Jahrzehnt miterlebt hat, der weiß auch, welchen Einfluß diese Technologie auf unseren zukünftigen Alltag haben wird.

Hier bemüht sich das Magazin, Zusammenhänge zu vermitteln und den Elektromodellflug in einem übergeordneten Kontext einzuordnen. Dass die Diskussion natürlich auch auf den Modellflugplätzen stattfindet, dafür steht das fiktive Streitgespräch zwischen "Harder & Kohn" - sehr amüsant zu lesen und ein Extralob wert.

Fazit:
Was auch hier im Forum wiederholt am Zeitgeist der aktuellen Modellbauzeitschriften kritisiert wird, vermeidet "Ludwig Retzbachs Elektroflug Magazin". Wenig Werbung, dafür viel über Grundlagen und Konzepte. So wünscht man sich das eigentlich, aber dafür muss man nun mal auch fast 15 Euro hinlegen.

Ob sich das Konzept etabliert, bleibt abzuwarten. In Zeiten, in denen Printmedien ihre journalistische Arbeit mit immer kleineren Budgets finanzieren müssen und manche Internetmedien Texte der Anbieter direkt als "Erfahrungsberichte" veröffentlichen, setzt dieses Magazin einen deutlichen Kontrapunkt für unabhängige und gut aufbereitete Information. Mich würde es freuen, wenn die Menschen bereit sind, dafür auch etwas mehr auszugeben.
Das sollte eigentlich drin sein.. wer sich allein für einen aktuellen Kompaktlader interessiert, hat schnell einen größeren Betrag eingespart
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Weblinks:
http://elektroflug-magazin.de/

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Aktualisiert: 06.05.2011 um 16:03 von Ulrich Horn

Kategorien
Modellflug , Technik

Kommentare

  1. Avatar von WeMoTec
    100% Deiner Meinung.
    Ich habe in den letzten Jahren (bis auf Jetpower) alle Abos gekündigt, weil mich die Hefte mit Ihrem ganzen ARF Kram und ständig im Niveau absinkenden Inhalten schlicht langweilten.

    Das neue Heft von Ludwig Retzbach hingegen hat mich begeistert. Endlich nach vielen Jahren mal wieder Lektüre mit inhaltlicher Substanz!

    Natürlich ist es noch nicht perfekt und die Grafik auch teils noch unentschlossen, doch es erinnert schon etwas an "Brand eins" und "Cicero", meine Lieblingslektüre außerhalb des Modellbaus.

    Oliver
  2. Avatar von BZFrank
    Heft 2/11 ist nun am Zeitschriftenstand erhältlich.